Urlaubsanspruch: Was Arbeitnehmer unbedingt wissen sollten

Ob Entspannung und Wellness oder Action und Outdoor Urlaub, jeder will ihn und jeder hat ihn: Den gesetzlich geregelten Urlaubsanspruch.  Doch immer wieder tauchen Fragen zu diesem Thema auf.

Ab wann hat man Urlaubsanspruch?  Wieviel Urlaubsanspruch hat man und muss man im Urlaub für die Firma erreichbar sein? Hier erfährst du alles, was du zum Thema Urlaubsanspruch wissen musst.

Österreich beim Urlaubsanspruch unter den Top 10 in Europa

Österreichs Arbeitnehmer/innen, dürfen sich gemeinsam mit Beschäftigten aus Finnland, Frankreich, Litauen, Russland, Schweden, Polen, Malta und Griechenland über die meisten reguläre Urlaubstage EU-weit freuen. Dies geht aus einer Studie von Statista 2020 hervor.

 

Urlaub - Alles was du zum Thema wissen musst

Ab wann hat man Urlaubsanspruch?

In den ersten sechs Monaten Ihres ersten Arbeitsjahres baust du kontinuierlich pro Monat zwei Urlaubstage (bei einer Fünf-Tage-Woche) auf. Ist das erste halbe Jahr vorbei, hast du Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub. Nach dem ersten Jahr hast du mit dem Beginn eines jeden Arbeitsjahres vollen Urlaubsanspruch.

Urlaubstage werden niedriger,

  • bei mehr als 30 Tage Präsenz-oder Zivildienst,
  • wenn du in Karenz gehst – Mutter oder Vater, Bildung und Familienhospiz,
  • wenn du sonstigen Karenz-Urlaub oder unbezahlten Urlaub nimmst.

 

 

Werktag oder Arbeitstag – Auswirkungen auf den Urlaubsanspruch

Unter Werktage versteht man die sechs Wochentage von Montag bis Samstag. Arbeitstag bezieht sich auf die Tage, die Beschäftigte wirklich arbeiten. Für die meisten Arbeitnehmer/innen ist das in Österreich die Fünf-Tage-Woche von Montag bis Freitag.

Wieviel Urlaubsanspruch hat man bei einer Sechs-Tage-Woche?

Für jedes Jahr, das du gearbeitet hast, steht dir bezahlter Urlaub zu. Je nachdem wie viele Arbeitsjahre man bereits hat, können das auf Basis der Sechs-Tage-Woche

  • 30 Werktage bei einer Dienstzeit von weniger als 25 Arbeitsjahren und
  • 36 Werktage nach Abschluss des 25. Arbeitsjahres sein.

Wieviel Urlaubsanspruch hat man bei einer Fünf-Tage-Woche?

Arbeitet man beispielsweise immer von Montag bis Freitag, muss der Urlaubsanspruch natürlich angepasst werden.

Hier eine Übersicht:

Fünf-Tage-Woche:    Urlaubsanspruch 25 Werktage

Vier-Tage-Woche:     Urlaubsanspruch 20 Werktage

Drei-Tage-Woche:     Urlaubsanspruch 15 Werktage

Zwei-Tage-Woche:    Urlaubsanspruch 10 Arbeitstage

Ein-Tages-Woche:    Urlaubsanspruch 5 Arbeitstage

Wann hast du höheren Urlaubsanspruch beim selben Arbeitgeber?

Wenn du mehr als 25 Jahre beim selben Arbeitgeber bist, hast du einen höheren Urlaubsanspruch. Dazu zählen natürlich auch die Lehrjahre im selben Betrieb. Das Dienstverhältnis darf nicht länger als drei Monate unterbrochen worden sein.

Hinfällig ist die Zusammenrechnung, wenn der Beschäftigte gekündigt oder fristlos entlassen wird, oder man unbegründet vorzeitig austritt.

Was wird für den höheren Urlaubsanspruch angerechnet?

Hast du in Österreich oder im europäischen Wirtschaftsraum mindestens sechs Monate bei einem anderen Arbeitgeber gearbeitet, wird das für den höheren Urlaubsanspruch angerechnet.

Auch wenn du selbstständig erwerbstätig warst (mindestens sechs Monate) oder Entwicklungshilfe (max. fünf Jahre) geleistet hast, wird das den Arbeitsjahren für den höheren Urlaubsanspruch angerechnet.

Angerechnet werden außerdem Schulzeiten von höheren oder berufsbildenden mittleren oder höheren Schulen bis zu max. vier Jahre und erfolgreich abgeschlossene Hochschulstudienzeiten bis zu max. fünf Jahren.

 

 

Wie verhält es sich mit dem Urlaubsanspruch, wenn sich das Beschäftigungsausmaß ändert?

Das ist am einfachsten durch ein Beispiel erklärt:

Du möchtest mehr Zeit für dein zeitaufwendiges Hobby Wingsuit fliegen haben und entschließt dich deshalb dazu, aus der Vollzeitbeschäftigung in die Teilzeitbeschäftigung zu wechseln.  Nun hast du aber noch eine Woche Urlaub offen. Diese bleibt dir bei einem Wechsel erhalten. Das Urlaubsgeld wird allerdings auf Basis der Teilzeitbeschäftigung berechnet.

Wechselt man von Teilzeit auf Vollzeit, wird das Urlaubsgeld angehoben.

Wann verjährt der Urlaubsanspruch?

Grundsätzlich gilt: Dein Urlaubsanspruch verjährt zwei Jahre nach Ende des Arbeitsjahres, in dem er entstanden ist. Außer du gehst für eine Mutter- oder Vaterschaft in Karenz, dann verlängert sich die Frist um die Karenzzeit.

Beispiel:

Wenn du 2019 (Arbeitsjahr von 1. Jänner bis 31. Dezember) vier Wochen Urlaub verbraucht hast, steht dir immer noch eine zu. Diese kannst du bis zum Ende des Arbeitsjahres 2021 verbrauchen. Nimmst du nun Urlaub, werden immer zuerst die ,alten‘ Urlaubstage hergenommen.

 

 

Was muss man beachten, wenn man den Urlaub in Anspruch nimmt?

Wichtig ist, dass du deinen Urlaub rechtzeitig mit deinen Vorgesetzten absprichst und schriftlich festlegst. Hast du das „OK“ deines Arbeitgebers bekommen, kann nur ein extremer Notfall im Unternehmen dazu führen, dass dieser gestrichen werden kann. Aber keine Sorge, du bleibst nicht auf den Stornogebühren sitzen. Der Arbeitgeber muss diese dann übernehmen.

ACHTUNG: Zwangsurlaub ist nicht erlaubt. Beide Parteien, also Arbeitgeber UND Beschäftigte müssen dem Urlaub zustimmen.

Was ist der Unterschied zwischen Urlaubsentgelt und Urlaubsgeld?

Urlaubsgeld:

Leider gibt es kein Gesetz, welches das Urlaubsgeld oder das freudig erwartete 14. Gehalt regelt. Einzig und allein in Kollektivverträgen und Einzelarbeitsverträgen ist die Höhe und die Fälligkeit der Sonderzahlungen geregelt.

ACHTUNG: Kein Kollektivvertrag oder Einzelarbeitsvertrag – kein Anspruch auf Urlaubsgeld.

Urlaubsentgelt:

Das Urlaubsentgelt ist das Grundgehalt, das dir zusteht, während du im Urlaub bist und nicht arbeitest.

Was geschieht, wenn du nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurück bist?

Prinzipiell gilt: Bist du unentschuldigt nach dem Urlaub nicht an deinem Platz, ist das ein berechtigter Entlassungsgrund, außer du kannst dein Fehlen begründen und nachweisen.

Beispiel: Du hattest einen Unfall im Urlaub, ein Wetterchaos verzögert deine Heimreise oder Bus, Zug, Schiff oder Flugzeug können aus anderen Gründen, wie beispielsweise Streiks, nicht starten.

In solchen Fällen solltest du deinem Arbeitgeber so früh wie möglich schriftlich per Fax oder E-Mail Bescheid geben, dass du nicht rechtzeitig bei der Arbeit sein wirst.

Muss man im Urlaub erreichbar sein?

Urlaub ist Freizeit. Im Urlaub soll man sich von den beruflichen Belastungen erholen und ist nicht verpflichtet, das Handy oder den Laptop mitzunehmen.

In einem Notfall darf dürfen Vorgesetzte dich im Urlaub stören. Das gilt aber auch nur dann, wenn die Existenz des Betriebs gefährdet ist. Auch hier darf nicht erwartet werden, dass der/die Arbeitnehmer/in gleich antwortet. Schließlich ist er/sie im Urlaub und hat das Handy wahrscheinlich beim Schnorcheln im Meer nicht bei sich.

Darf man im Urlaub „fremdarbeiten?“

Ist ein kleiner Nebenverdienst im Urlaub mit deinen Vorgesetzten abgeklärt, steht einem Zusatz-Taschengeld nichts im Weg. Du solltest aber bedenken, dass dir nur 25 Tage Urlaub im Jahr zustehen und diese auch wirklich zur Erholung gedacht sind.

 

 

Was ist, wenn man im Urlaub in den Krankenstand muss?

Natürlich wünscht man sich nicht, dass man im Urlaub erkrankt. Manchmal kann dieser Fall aber leider eintreten.

Wenn du dir also nicht gerade beim Eisschwimmen eine Grippe geholt hast, wird dein Urlaub bei einer Erkrankung, die länger als 3 Kalendertage dauert, unterbrochen. Du musst das deinem Arbeitgeber spätestens nach diesen 3 Kalendertagen mitteilen.

Beachte bitte, dass ein Krankenstand den Urlaub nicht verlängert. Zurück im Büro muss man auch unaufgefordert eine Krankenstandsbestätigung vorlegen.

Die Krankenstandstage werden dir allerdings zum bestehenden Urlaubsguthaben wieder dazugerechnet.

 

 

Home-Office – Die wichtigsten Tipps, damit es gelingt

Im New-Work-Age haben etwa 48 % der österreichischen Arbeitnehmer/innen (Studie Xing Gehaltsstudie 2019) die Möglichkeit, ihr Home-Office als Arbeitsplatz zu nutzen. 3,7 % tun das auch. Hier erfährt ihr, mit welchen Problematiken ihr bei der Heimarbeit konfrontiert werdet und wie ihr damit umgehen könnt.

Home-Office: Nachteile und Hürden

Das Home Office kann viele Vorteile haben: Es kann die Kinderbetreuung enorm erleichtern. Pendler müssen nicht mehr jeden Tag weite Strecken zurücklegen. Viele können sich zuhause auch besser konzentrieren, als im lauten Büroalltag. Trotzdem sollten folgende Punkte nicht außer Acht genommen werden.

Räumliche Abgrenzung: Arbeit und Privatleben trennen

Das Arbeiten vom Bett oder der Couch aus, klingt erstmal gemütlich. Doch in der Realität kann man dabei kaum produktiv sein. Denn einem ‚kleinen‘ Nickerchen im Bett ist nicht so leicht etwas entgegenzusetzen. Richte dir deshalb einen eigenen Arbeitsbereich ein. Dieser sollte in einem ruhigen Bereich deiner Wohnung liegen. Ob eigenes Büro oder einfach ein Laptoptisch am anderen Ende des Raumes ist dabei egal. Trenne Privates und Berufliches räumlich so gut es geht ab.

Arbeitsrhythmus angewöhnen

Flexibilität ist eine Sache, Prokrastination eine andere. Wer gegen Ende eines Tages nicht unter Zeitdruck geraten will, sollte seine Arbeitszeiten gut planen und sich einen Home-Office Rhythmus angewöhnen. Ziel sollte es sein, mehrere Stunden am Stück konzentriert zu arbeiten. Hilfreich können da auch verschiedene Apps sein, die Zeitmanagement tracken. Ebenfalls gibt es Zeitmanagment-Techniken, die auf Produktivitätssteigerung ausgerichtet sind. Ein Beispiel ist die Pomodoro-Technik, die aus fünf Schritten besteht:

  1. Aufgabe schriftlich fixieren, z. B. auf einer To-Do-Liste
  2. Den Timer auf 25 Minuten stellen (kann auch länger sein – teste am besten selbst, wie lange du konzentriert arbeiten kannst)
  3. In dem Zeitraum ganz auf die Aufgabe konzentrieren und keine anderen Tätigkeiten dazwischenschieben
  4. Danach kurze Pause machen (5-10 Minuten)
  5. Nach vier Arbeitsperioden eine Pause von 15-20 Minuten machen

Arbeitszeit im Home Office

Telefonate mit dem/der Partner/in, Kinder bespaßen, Wohnung putzen, einkaufen oder ein schneller Kaffee mit Freunden. Diese Dinge gehören in die Freizeit und sollten somit nicht in die Home-Office Zeiten fallen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Doch man sollte nicht vergessen, Ablenkungen, egal welcher Art, stören Konzentration und somit auch die Produktivität. Besonders jene, die ein gewisses Arbeitspensum erreichen müssen, sollten genau darauf achten, wie sie ihre Zeit verbringen.

Stay in contact – Home Office führt zu Isolation?

Wer zu Hause arbeitet, läuft auch Gefahr im Arbeitsmodus die Zeit zu übersehen. Unregelmäßiges Essen und wenig Bewegung können die Folge sein und gesundheitliche Auswirkungen haben. Auch die soziale Isolation ist ein Problem, welches man nicht unterschätzen sollte. Deshalb unser Rat: Stay in contact – mit dir und deinen Kollegen. Ideal ist es, ein paar Tage im Büro zu arbeiten und ein paar Tage zuhause. So bleibst du auch immer up-to-date.

Feierabend im Home Office

Auch als Home-Office Worker sollte man bewusst Feierabend machen und die „Tür“ zum heimischen Büro schließen. Gewöhn dir kleine Rituale an, die dein Arbeitsende kennzeichnen. Ein paar Ideen dafür:

  • To-do-Liste für den nächsten Tag schreiben
  • Schreibtisch aufräumen
  • Den Arbeitstag bei einer Tasse Tee ausklingen lassen
  • Das Diensthandy stummschalten

Fazit

Wer über eine gesunde Portion Selbstdisziplin sowie Organisations- und Planungstalent verfügt, kann seine Arbeit auch erfolgreich von zu Hause aus erledigen. Dabei sollte individuell entschieden werden, ob das Home Office für einen selbst sinnvoll ist. Aber besonders für berufstätige Eltern oder Pendler ist das Home Office oft eine Erleichterung.